| Herz 32 (2007) Heft 8 / Number 8 |
Biomarker bei Herzinsuffizienz – besser als Anamnese oder Echokardiographie?
Dominik Berliner, Christiane E. Angermann, Georg Ertl, Stefan Störk1
1 Department of Medicine I and Cardiovascular Center, University Hospital Würzburg, Germany.
Zusammenfassung
Bedeutung und Häufigkeit des Herzinsuffizienzsyndroms nehmen stetig zu. Eine effektive und ökonomisch sinnvolle Versorgung (Diagnose, Therapieüberwachung, Prognoseeinschätzung) dieses anspruchsvollen Kollektivs hängt ganz entscheidend von einer treffsicheren Diagnostik – sowohl initial als auch im Verlauf – ab. Die diagnostische Beurteilung ausschließlich anhand von Anamnese, Symptomen und körperlicher Untersuchung ist oft unzureichend. Klassische diagnostische Methoden wie Röntgenuntersuchung des Thorax und Elektrokardiographie zeigen zwar gute Spezifität, jedoch schlechte Sensitivität. Unbestritten stellt die transthorakale Echokardiographie eine der wichtigsten und treffsichersten Untersuchungsmethoden dar; sie ist jedoch beschränkt verfügbar, relativ kostenintensiv und abhängig von den Fähigkeiten des Untersuchers. In letzter Zeit wurden zahlreiche Biomarker identifiziert, die bei komplexen diagnostischen, therapeutischen und prognostischen Entscheidungen weiterführend sein könnten. Ein idealer Biomarker würde nicht nur ein hervorragendes diagnostisches Profil besitzen, sondern auch die klinische Entscheidungsfindung nachhaltig beeinflussen. Derzeit stellen die natriuretischen Peptide die am besten charakterisierten und evidenzbasierten Biomarker bei Herzinsuffizienz dar. Weitere vielversprechende Biomarker, die Inflammation, extrazelluläres Remodeling, myokardialen Zelluntergang oder Stress abbilden, befinden sich derzeit in Evaluation, haben aber noch keinen Eingang in die klinische Praxis gefunden. Die vorliegende Übersicht vergleicht den praktischen Stellenwert klassischer diagnostischer Methoden mit dem der natriuretischen Peptide. Es zeigt sich, dass eine Reihe von Begleiterkrankungen zwar die Werte und Schwellenwerte der natriuretischen Peptide beeinflusst, deren diagnostische Aussagekraft aber nicht prinzipiell schmälert. Dagegen hat das klinische Setting (beispielsweise Allgemeinarzt, Notfallaufnahme), in dem die Biomarkerbestimmung durchgeführt wird, einen sehr starken, bisher unterschätzten Einfluss auf den diagnostischen Nutzen. Eine umfassende Abbildung des Nutzens einer Biomarkerbestimmung (sog. Health Technology Assessment) muss deshalb den ganzen Patientenweg im jeweiligen Gesundheitssystem abbilden.
Korrespondenzanschrift:
PD Stefan Störk, MD, PhD
Department of Medicine I and Cardiovascular Center
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