| Herz 32 (2007) Heft 8 / Number 8 |
CRP bei kardiovaskulären Erkrankungen
Mahir Karakas, Wolfgang Koenig1
1 Department of Internal Medicine II – Cardiology, University of Ulm Medical Center, Germany.
Zusammenfassung
Entzündliche Prozesse spielen eine wichtige Rolle während der gesamten Atherogenese. Dies führte zu der Hypothese, dass die Bestimmung inflammatorischer Biomarker ergänzend zu den traditionellen Risikofaktoren die Identifikation von Individuen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko verbessern könnte. Zahlreiche prospektive Studien haben gezeigt, dass das Akute-Phase-Protein CRP (C-reaktives Protein) das Risiko für einen zukünftigen Myokardinfarkt und Schlaganfall vorhersagen kann, allerdings wird über die Stärke des Zusammenhangs und seinen unabhängigen, zusätzlichen Beitrag zur Risikoprädiktion immer noch kontrovers diskutiert. Die Leitlinien der ESC (European Society of Cardiology) und der AHA (American Heart Association) schlagen vor, CRP zusätzlich zu den üblichen Risikofaktoren bei denjenigen Personen zu bestimmen, die ein intermediäres Risiko besitzen (Framingham-10-Jahres-Risiko 10–20%), um sie entweder der Niedrigrisikogruppe (bei normalem CRP) oder der Hochrisikogruppe (bei erhöhtem CRP) zuzuordnen.
Verschiedene Studien legen nahe, dass Statine neben ihrer Hauptwirkung auf das Low-Density-Lipoprotein-( LDL-)Cholesterin verschiedene pleiotrope Eigenschaften besitzen – bis hin zur CRP-Senkung. Post-hoc-Analysen aus der AFCAPS/TexCAPS-Studie haben gezeigt, dass erhöhtes CRP bei normalem LDL eine Gruppe von Personen identifiziert, die von einer Statintherapie profitieren können, obwohl sie laut ATP-III-Leitlinien derzeit noch keine Indikation dafür besitzen. Diese Hypothese wurde in der JUPITER-Studie bei 17 802 klinisch gesunden Männern und Frauen mit einem LDL-Cholesterin < 3,4 mmol/l (< 130 mg/dl) und einem CRP >= 2,0 mg/l getestet, die zufällig entweder einem Plazeboarm oder einer Therapie mit täglich 20 mg Rosuvastatin zugeordnet wurden. Primärer Endpunkt war eine Kombination aus Myokardinfarkt, Schlaganfall, arterieller Revaskularisation, Hospitalisation wegen instabiler Angina pectoris oder Tod aufgrund einer kardiovaskulären Ursache. Nach einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von nur 1,9 Jahren wurde die Studie vorzeitig abgebrochen. Rosuvastatin senkte das LDL-Cholesterin um 50% und das CRP um 37%. In der Rosuvastatingruppe traten 0,77 und in der Plazebogruppe 1,36 primäre Endpunktereignisse pro 100 Personenjahre auf (Hazard-Ratio 0,56; p < 0,00001). Rosuvastatin reduzierte somit das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis bei Personen ohne Hyperlipidämie, jedoch mit erhöhtem hsCRP hochsignifikant um 44%. Die NNT (number needed to treat) für 5 Jahre betrug 25.
Zusammenfassend besteht derzeit keine Indikation, bei jeder Person zur kardiovaskulären Risikoabschätzung neben den traditionellen Risikofaktoren auch CRP zu bestimmen. Es ist der Einschätzung des behandelnden Arztes überlassen, es bei denjenigen mit mittlerem Risiko zu messen. Diese Empfehlung gilt, was Labormarker anbelangt, ausschließlich für CRP und keinen sonstigen neueren kardiovaskulären Risikomarker. Genetische Marker und Marker der subklinischen Atherosklerose weisen grundsätzlich dieselben methodischen Probleme auf wie CRP und können ebenfalls nicht zum generellen kardiovaskulären Screeening empfohlen werden. Die Ergebnisse der JUPITER-Studie legen nahe, dass neben den etablierten Indikationen für einer Statintherapie auch diejenigen Personen in der Primärprävention profitieren, die ein normales LDL-Cholesterin, jedoch ein erhöhtes CRP (>= 2 mg/l) haben.
Korrespondenzanschrift:
Wolfgang Koenig, MD, FRCP, FESC, FACC, FAHA
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