BNK-Beiträge:



Heftthema / Topic


Editorial Biomarker and no end to it?

Biomarker bei Herzinsuffizienz – besser als Anamnese oder Echokardiographie?

Biomarker bei chronischer Herzinsuffizienz. Diagnostische, prognostische und therapeutische Herausforderungen

Growth Differentiation Factor-15: ein neuer kardiovaskulärer Biomarker

Troponine und hochsensitive Troponine als Nekrosemarker bei KHK und Herzinsuffizienz

CRP bei kardiovaskulären Erkrankungen

Biomarker bei inflammatorischer und nichtinflammatorischer Kardiomyopathie

Differenzierung von malignen und nichtmalignen, inflammatorischen Perikardergüssen mit Biomarkern

Wertigkeit des Biomarkers BNP bei HIV-infizierten Patienten

Transfemorale Aortenklappenimplantation bei einer Patientin mit mechanischem Mitralklappenersatz


Herz 32 (2007) Heft 8 / Number 8


Differenzierung von malignen und nichtmalignen, inflammatorischen Perikardergüssen mit Biomarkern

Konstantinos Karatolios, Peter Alter, Bernhard Maisch1

1 Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkte Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin und Prävention, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg, und Philipps-Universität Marburg.

Zusammenfassung
Biomarker haben einen bedeutenden Stellenwert in der Diagnostik und Risikostratifizierung der kardiovaskulären Erkrankungen erlangt. Ihr integrierter Einsatz dürfte auch zu einem wichtigen Bestandteil in der Diagnostik und Differentialdiagnostik von Perikardergüssen werden. Während die Troponine, die natriuretischen Peptide und das hochsensitive C-reaktive Protein in der klinischen Routine als etablierte Biomarker der Diagnostik, Differentialdiagnostik und Prognoseabschätzung des Myokardinfarkts und der Herzinsuffizienz gelten, ist die klinische Etablierung von Biomarkern, die eine Differenzierung zwischen malignem und nichtmalignem Perikarderguss ermöglichen, von hohem Interesse, stellt aber zugleich eine z.T. noch ungelöste Herausforderung dar.
Die Biomarker im Imaging, d.h. die Farb-Doppler-Echokardiographie, die Computertomographie (CT) und noch mehr die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen den Nachweis, die Quantifizierung und Beurteilung der hämodynamischen Relevanz einer Perikarditis mit oder ohne Perikarderguss und geben zugleich wertvolle differentialdiagnostische Informationen über die Natur des Ergusses. Die CT erlaubt die Unterscheidung zwischen hämorrhagischen und serösen Perikardergüssen anhand der gemessenen Dichtewerte (Hounsfield-Einheiten), während in der MRT anhand der Signalintensität in der T1- und T2-Gewichtung die Diskriminierung zwischen Exsudat und Transsudat möglich ist. Ein weiterer Vorteil der CT und MRT besteht darin, dass durch die detaillierte Darstellung und Beurteilung des um das Perikard liegenden Gewebes,Tumore und die Pathologien der umgebenden Organe diagnostiziert werden können.
Die Bestimmung des spezifischen Gewichts, der Proteinkonzentration und der Lactatdehydrogenase-(LDH-)Aktivität in der Perikardflüssigkeit sowie des Verhältnisses der LDH-Aktivität (Pe/Se-LDH-Ratio) und des Proteingehalts (Pe/Se-Protein-Ratio) zwischen Perikardpunktat und Serum erlaubt durch Anwendung der Light-Kriterien die Diskriminierung der Perikardergüsse in Exsudate und Transsudate. In Studien konnte gezeigt werden, dass die Konzentration von karzinoembryonalem Antigen (CEA) in malignen Perikardergüssen signifikant höher ist als in benignen Ergüssen. Bei einem Schwellenwert > 5 ng/ml variierten die diagnostische Sensitivität zwischen 73% und 75% und die Spezifität zwischen 90% und 100% für die Diagnose eines malignen Perikardergusses.
Die Differenzierung zwischen tuberkulösem und malignem Perikarderguss kann durch die kombinierte Bestimmung von CEA, der Adenosindesaminase (ADA), Interferon und Lysozym im Perikarderguss mit einer hohen Sensitivität und Spezifität erfolgen. Bei tuberkulöser Perikarditis sind im Perikarderguss CEA normal und ADA erhöht. Hohe Interferonspiegel im Perikarderguss > 200 pg/ml haben eine fast 100%ige Sensitivität und Spezifität, während Lysozymwerte > 6,5 µg/dl in der Perikardflüssigkeit eine diagnostische Sensitivität von 100% und Spezifität von 91% für die Diagnose eines tuberkulösen Perikarditis erreichen.
Der zytologische Nachweis von malignen Zellen im Perikarderguss ist beweisend für den neoplastischen Charakter. Dies setzt eine Perikardpunktion voraus und ist auch hier nur im positiven Fall beweisend. Lassen sich bei einer bekannten neoplastischen Erkrankung im Perikarderguss keine malignen Zellen nachweisen, schließt dies aufgrund des sampling error und der nur ca. 50–70% betragenden Sensitivität des perikardialen Zytologiebefunds einen malignen Erguss nicht aus. Dieses Dilemma ist von besonderer Bedeutung, wenn bei einem Mamma- oder Bronchialkarzinom eine Bestrahlung des Thorax erfolgte und der Perikarderguss auch Folge der Strahlenbehandlung mit autoreaktiver Inflammation sein kann.
Aufgrund der komplexen Pathophysiologie der Perikarderkrankungen ist die Ermittlung eines einzigen Biomarkers, der eine sichere Differenzierung von malignen und nichtmalignen Perikardergüssen erlaubt, bisher nicht möglich. Nur der kombinierte Einsatz von Imaging und serologischen Biomarkern führt zur definitiven Diagnose. In diesen Zusammenhang gelingt in den meisten Fällen durch die integrierte Anwendung von Bioimaging-Markern und Biomarkern aus der detaillierten Analyse der Perikardflüssigkeit und der Epi-/Perikardbiopsate die definitive ätiologische Differentialdiagnose des Perikardergusses.

Korrespondenzanschrift
Dr. Konstantinos Karatolios
Klinik für Innere Medizin
Schwerpunkte Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin und Prävention
Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Standort Marburg
Baldingerstraße 1
35033 Marburg
Telefon (+49/6421) 586-6462
Fax -8954
E-Mail: karatoli@med.uni-marburg.de